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Hier finden Sie einige interssante Informationen zu Fußerkrankungen.

 

 

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Operationen an Zehen und Vorfuß

  

Ein Patienteninformationsblatt der
Orthopädischen Universitätsklinik
der RWTH Aachen

Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. F. U. Niethard

 

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

um Ihnen die operative Behandlung, zu der wir Ihnen raten, verständlich zu machen, möchten wir Ihnen im Folgenden einige Erläuterungen hierzu geben.

Die behandelnden Ärzte haben bei Ihnen Verformungen und Deformierungen im Bereich der Zehen und des Vorfußes festgestellt. Am häufigsten findet sich ein sogenannterHalluxvalgus, d.h. ein seitliches Abknicken der Großzehe mit Ausbildung eines hervorstehenden Ballens am Fußinnenrand.
Bei chronischem Druck auf den Ballen sowie Verschleißprozessen im Bereich des Großzehengrundgelenkes kann es zu einem Dauerschmerz mit eingeschränkter Abrollfähigkeit des Vorfußes und Einschränkung der Gehstrecke kommen.
Häufig ist ein solcher Hallux valgus anlagebedingt. Allerdings führt auch langjähriges Tragen von nicht optimal passendem Schuhwerk, wie z.B. vorn spitz zulaufende Modeschuhe mit Absatz zum Voranschreiten der Krankheit.
In vielen Fällen ist diese Deformierung mit dem Vorliegen eines sogenannten Spreizfußes verbunden, bei dem die einzelnen Mittelfußknochen, hierunter hauptsächlich der I. Strahl, auseinanderweichen und der Mittelfuß sich so aufspreizt. Als Folge der Aufspreizung kommt es dann durch veränderten Sehnen- und Muskelzug zur seitlichen Abweichung der Großzehe. Wenn sich trotz Ausschöpfen aller nicht operativen Behandlungsmöglichkeiten keine ausreichende Beschwerdebesserung einstellt bzw. bei jüngeren Patienten das Auftreten von verfrühtem Gelenkverschleiß verhindert werden soll, ist eine operative Korrektur der Fußdeformität angezeigt. Vor einer geplanten operativen Korrektur ist es besonders wichtig, begleitende Erkrankungen, die das Operationsrisiko erhöhen, wie Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Durchblutungsstörungen (arterielle Verschlußkrankheit) oder chronisch entzündliche Erkrankungen zu erfassen und ggf. vorher zu behandeln.

Bei der operativen Therapie des Halluxvalgus ist prinzipiell zwischen gelenkerhaltenden Operationen und solchen Eingriffen zu unterscheiden, bei denen aufgrund der Schwere der bereits eingetretenen Gelenkveränderungen eine Gelenkteilentfernung mit nachfolgender Gelenkplastik (Resektionsarthroplastik) notwendig ist.

 

 


Abb1: Darstellung von gesundem Fuß und Halluxvalgus


 


1.    Operative Therapie des Hallux valgus:

a)    Gelenkerhaltende Operation nach Kramer oder Chevron:

Nach einem seitlichen Schnitt über dem Großzehengrundgelenk wird unterhalb des I. Mittelfußköpfchens ein kleiner Knochenkeil herausgenommen und der I. Strahl umgestellt, so daß die Großzehe wieder in einer geraden Stellung steht. Das Großzehengrundgelenk bleibt dabei erhalten, das Operationsergebnis wird mit einem Kirschnerdraht fixiert.
Bei der alternativ durchführbaren Chevron-Operation wird nach einem V-förmigen Sägeschnitt der erste Mittelfußknochen verschoben und umgestellt. Die Stabilisierung erfolgt hierbei mit einer Minischraube.
Zur Fortbewegung nach der Operation wird Ihnen eine spezielle Vorfußentlastungssandale angepaßt, bei der lediglich der Rückfuß belastet wird. Der aus der Großzehe herausschauende Draht wird hierbei durch einen Bügel geschützt. Zunächst sollten 2 Stockstützen zur Hilfe genommen werden, bei sicherer Wundheilung ist eine gehstützfreie Fortbewegung mit der Spezialsandale möglich. 2 Wochen nach der Operation wird ambulant der Hautfaden entfernt, nach 5 Wochen wird ebenfalls ambulant der Kirschnerdraht entfernt (Kramer OP). Die bei der Chevron OP eingebrachte Titanminischraube kann im Knochen verbleiben.Mit dem Eintritt der Arbeitsfähigkeit ist gut 6 Wochen nach erfolgter Operation zu rechnen.
 

b)   Gelenkerhaltende Kapsellösung/Kapselplastik mit Umstellungsoperation am ersten Mittelfußknochen

Bei jüngeren Patienten mit guter Gelenkbeweglichkeit ohne Knorpelverschleiß kann diese sehr funktionelle OP durchgeführt werden. Der häufig verbreiterte Vorfuß wird durch diese Technik schlanker. Die erforderlichen Minischrauben können verbleiben. Für 6 Monate ist das Tragen eines individuell geformten Zehenzwischenpolsters erforderlich.
 


c)    Verkürzung des Großzehengrundgliedes bei ausgeprägter Verschleiß- erkrankung (Resektionsarthroplastik, Operation nach Brandes)

Nach einem seitlichen Hautschnitt über dem Großzehengrundgelenk wird das Gelenk eröffnet, der vorstehende Ballen am I. Mittelfußköpfchen geglättet und das Grundglied der Großzehe verkürzt. In die entstandene Lücke wird ein Kapsellappen eingeschlagen und vernäht, so daß sich im weiteren hier ein Ersatzknorpelgewebe ausbilden kann.
Im Endgliedbereich der Großzehe wird eine kleine Metallschlaufe eingebracht, die dazu dient, die Großzehe in Korrekturstellung unter leichter Spannung zu halten. Hierzu wird dem Patienten eine Spezialsandale mit Bügel angelegt, über den die Großzehe mit einem kleinen Faden gehalten wird.
Die Fortbewegung nach dem Eingriff erfolgt zunächst unter Entlastung an 2 Unterarmgehstützen. Nach 10-14 Tagen kann die Metallschlaufe aus dem Großzehenendglied entfernt und ein schrittweiser Übergang zur Vollbelastung erlaubt werden. Bis zu dieser Materialentfernung ist in aller Regel eine stationäre Behandlung erforderlich. Nach 2 Wochen erfolgt ambulant die Fadenentfernung. Zusätzlich wird die Zehe mit einer sogenannten Nachtlagerungsschale versorgt.
Durch diesen Eingriff wird eine gute Schmerzreduktion ermöglicht, sowie die Druckstelle über dem Ballen entfernt, die Großzehe wird jedoch etwas kürzer und verliert an muskulärer Kraft, da die Muskeln entspannt wurden.

 


2.    Operative Therapie des Hallux rigidus

Mit Halluxrigidus wird eine zunehmende Gelenkverschleißerkrankung im Großzehengrundgelenk ohne wesentliche seitliche Fehlstellung bezeichnet. Der Halluxrigidus tritt in typischer Weise im 4. und 5. Lebensjahrzehnt auf, Sportler mit wiederholten Fußverletzungen z.B. Fußballspieler sind besonders häufig betroffen. Durch Verschleißprozesse im Großzehengrundgelenk wird die Bewegung beim Abrollen immer schmerzhafter, die Streckung der Großzehe wird immer schlechter, was bis zu einer weitgehenden Einsteifung im Großzehengrundgelenk führen kann.

Das Frühstadium des Halluxrigidus ist noch gut durch eine mobilisierende Manualtherapie und orthopädietechnische Versorgung mit Sohlenversteifung, Spezialeinlage und Ballenrolle zu behandeln.


a)    Cheilektomie, ggf. in Kombination mit Streckosteotomie des Grundgliedes(Moberg Operation)

Hierbei wird der fußrückenseitige Knochenhöcker am ersten Mittelfußköpfchen abgetragen und die Gelenkkanten geglättet. Zusätzlich werden Sehnenverklebungen beseitigt. Sollte danach keine ausreichende Streckung möglich sein, wird die Umstellung des Grundgliedes außerdem durchgeführt, damit ein gutes Abrollen ermöglicht ist.

b)    Großzehengrundgelenkversteifung (Arthrodese)

Bei jüngeren, sportlich aktiven Patienten wird eine selektive Fusion des Großzehengrundgelenkes empfohlen, dadurch ist ein schmerzfreies und kraftvolles Abrollen möglich. Die Bewegung im Endgelenk bleibt dabei erhalten.

c)    Resektionsarthroplastik (OP nach Brandes)

Teilentfernung der Grundgliedbasis mit Kapsellappenplastik (siehe Erklärung bei Halluxvalgus), wenn ausgeprägte Gelenkverschleißprozesse eingetreten sind.

d)    Endoprothese des Großzehengrundgelenkes

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein biokompatibeles künstliches Gelenk eingesetzt werden. Dadurch wird eine gute Beweglichkeit mit guter Fußabwicklung kombiniert. Allerdings kann ein solches künstliches Gelenk auslockern, was Folgeoperationen nach sich zieht.

 


3. Operative Therapie von Krallen-/Hammerzehen

Krallenartige Deformierungen der Zehen kommen häufig zusammen mit einem Spreizfuß vor. Es handelt sich um eine Beugefehlstellung im Mittel- oder Endgelenk einer oder mehrerer Zehen, oft verbunden mit einer Überstreckung im Grundgelenk. Dies führt zu schmerzhaften Schwielenbildungen (Hühneraugen) über dem gebeugten Gelenk und zu Druckschmerzen unter dem Endglied. Auch diese Deformität wird durch langjähriges Tragen von zu engem Schuhwerk begünstigt.


a)    Operation nach Hohmann (Resektionsarthroplastik)

Hierbei wird bei Vorliegen von rigiden Krallen- oder Hammerzehenfehlstellungen das Köpfchen des Grundgliedes entfernt und durch manuelle Korrektur die verkürzte Beugesehne aufgedehnt. In seltenen Fällen kann es notwendig werden, die fußrückenseitige Kapsel des Zehengrundgelenkes zu lösen.
Bei gutem Korrekturerfolg kann die Zehe mit einem sogenannten Pflasterzügelverband stabilisiert werden. Sofern mehrere Zellen operiert wurden oder eine innere Schienung zur Sicherstellung des Korrekturergebnisses notwendig ist, wird ein dünner Kirschnerdraht im Verlauf der Zehenlängsachse eingebracht. Dieser Draht kann im weiteren nach 8-10 Tagen entfernt werden.


b)    Operation nach Weil (Gelenkerhaltende Verschiebeosteotomie)

Bei Vorliegen von Verrenkungen im Bereich der Zehengrundgelenke kann durch eine verkürzende Verschiebeosteotomie der Mittelfußknochen eine Stellungskorrektur erzielt werden. Zusätzlich wird eine Strecksehnenverlängerung und Kapsellösung vorgenommen.Die Stabilisierung erfolgt mit Minischrauben, die in der Regel nicht entfernt werden müssen.


c)    Operative Korrektur durch Beugesehnenumlenkung

Bei flexiblen Hammer- und Krallenzehen kann durch eine gelenkerhaltende Sehnenumlenkungsoperation eine gute Stellungskorrektur erzielt werden. Hierbei muß kein Metall zur Stabilisierung verwendet werden.

 


4. Komplikationen

Das Ausheilen von Komplikationen, den Erfolg seiner Behandlung und ihre absolute Risikofreiheit kann kein Arzt garantieren. Die allgemeinen Gefahren ärztlicher Eingriffe, wie Thrombosen (Bildung von Blutgerinnseln), Embolien (Schlagaderverschlüsse durch verschleppte Gerinnsel), Verletzung von Nerven und Gefäßen sowie Nachblutungen sind Dank der Fortschritte der Medizin aber viel seltener geworden. Wundheilungsstörungen und Infektionen lassen sich in der Regel gut beherrschen, wenn auch gelegentlich Zweiteingriffe erforderlich werden.
Der Eingriff wird gewöhnlich in Blutleere vorgenommen, um Blutverluste zu vermeiden. Dabei wird für die Dauer der Operation das Blut durch die Blutdruckmanschette zurückgehalten. Danach können – sehr selten – Durchblutungsstörungen oder Mißempfindungen auftreten, die sich jedoch meist rasch wieder zurückbilden.
Trotz aller Sorgfalt kann es gelegentlich zu einem Rückfall, Korrekturverlust oder zu einer Überkorrektur und schmerzhaften Bewegungseinschränkungen kommen, die ggf. zusätzliche Operationen notwendig machen.

Wir können Ihnen in diesem Merkblatt nur einen allgemeinen Überblick geben. Auf die näheren Umstände des Leidens und die Bedeutung, die Vor- und Begleiterkrankheiten sowie auf das für Sie am besten geeigneteste Operationsverfahren gehen wir im Aufklärungsgespräch ein. Dabei informieren wir Sie über alles, was wir nach ärztlicher Erfahrung für wesentlich halten. Bitte fragen Sie uns nach allem, was Ihnen wichtig erscheint, wir werden Sie gerne, Ihrem persönlichen Informationsbedarf entsprechend, umfassend beraten.

     

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