Kontakt

 Impressum

flagge_vereinigte_arabische_emirate_004
Historie

Die Geschichte der Orthopädischen Universitätsklinik der RWTH Aachen

 

Friedrich Pauwels ( 1885-1980 ) - Leben und Werk

Die Orthopädische Klinik Aachen führt ihren Ursprung auf Dr. med. Friedrich Franz Karl Maria Pauwels zurück, der als Sohn des Fabrikanten Peter Joseph Pauwels am 23.5.1885 in Aachen geboren worden war. Seine orthopädischen Lehrer waren Alfred Schanz in Dresden 1911 - 1912, Konrad Biesalski in Berlin 1913 und Adolf Lorenz 1913 in Wien.

1913 kehrte Pauwels nach Aachen zurück, um sich in eigener orthopädischer Facharztpraxis in Aachen, Boxgraben 56, niederzulassen, wo er unter anderem dort die damals von seinem Schwager, Sanitätsrat Dr. August Sträter, geleitete medico-mechanische Zanderanstalt mit 73 Zanderapparaten übernahm.


 

Prof. Dr. med. Friedrich Pauwels (1885 - 1980)


 

Die Zanderanstalt war 1893 von dem niedergelassenen Orthopäden Dr. Arthur Bertling gegründet worden. 1924 bekam Pauwels eine orthopädische Belegstation im Luisenhospital Aachen mit zunächst einem auf 2 Jahre befristeten Vertrag, der in der Folgezeit mehrfach verlängert wurde.

1934 mußte Pauwels jedoch aus dem Luisenhospital ausscheiden, um im Alter von 50 Jahren am 15.9.1934 offiziell zum Leiter der neu einzurichtenden Orthopädischen Klinik an den Städtischen Krankenanstalten Aachen ernannt zu werden, wobei er seine orthopädische Praxis im Boxgraben 56 immer beibehielt.

Mit seinen Publikationen über seine umfangreichen Untersuchungen der Wechselwirkungen zwischen den mechanischen Beanspruchungen des Stütz- und Bewegungsapparates und ihre Auswirkungen auf das lebende Gewebe hat er sowohl im Luisenhospital und später in den Städtischen Krankenanstalten die wissenschaftlichen Grundlagen für die orthopädische Biomechanik gelegt.


 

Atlas "F. Pauwels", erschienen im Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York


 

Durch ihn wurde die Orthopädische Klinik Aachen schnell weltweit bekannt.

Ab 1938 wurden die Städtischen Krankenanstalten konsequent zu einem Lazarett für die Wehrmacht umgebaut. Die Orthopädische Klinik, die zunächst im Albert-Servais-Haus, dem Hauptgebäude untergebracht war, wurde in einen der Pavillons im Klinikgelände verlegt.
 



Albert-Servais-Haus, das größte Gebäude der Städtischen Krankenanstalten, Gesamtbettenzahl 302


 

Nach Beginn des Krieges im Westen am 10. Mai 1940 gewann die akute Erstversorgung von Verwundeten im Laufe des Krieges zunehmend gegenüber der Behandlung chronischer orthopädischer Leiden an Bedeutung.

Im Mai 1940 begannen die Luftangriffe auf Aachen, doch lief der Klinikbetrieb zunächst weitgehend in geregelten Bahnen weiter.

Noch im September 1940 reiste Pauwels zum 40. Kongreß der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft nach Berlin, wo er seinen grundlegenden Vortrag über die "Biomechanik der Frakturheilung" hielt.

Ab 1941 geriet Aachen unter immer heftiger werdenden Beschuß; 74 Luftangriffe und 5 Großangriffe fügten der Stadt schwere Schäden zu, so auch den Städtischen Krankenanstalten, wo mehrere Häuser beschädigt wurden.

1942 wurde Pauwels auf Vorschlag der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft zum Honorarprofessor für Orthopädie ernannt.

Als im Oktober 1944 sich die Zange der Alliierten um Aachen schloß, war es für Pauwels für eine Auslagerung seines umfangreichen wissenschaftlichen Materials zu spät. Er konnte sich nicht dazu entschließen, seine Aufzeichnungen und Modelle zurückzulassen. Pauwels blieb in der eingeschlossenen Stadt Aachen. Sein wissenschaftliches Material überdauerte die kritischen Wochen in einem kleinen Bunker in seinem Hause, Zweiweiherweg 3.

Nach der Kapitulation Aachens am 21.10.1944 wurden die noch in der Stadt befindlichen Zivilisten von der Besatzungsmacht in sog. "Refugee-Camps" eingewiesen. Friedrich Pauwels kam zunächst in ein belgisches Krankenhaus, später in das Auffanglager Brandt, wurde aber schon bald wieder in seine alte Stellung in den Städtischen Krankenanstalten Aachen eingesetzt.

Von März 1945 bis August 1945 wurde in den Städtischen Krankenanstalten Aachen ein Lazarett für kranke und verwundete amerikanische Soldaten untergebracht, dem im August 1945 das unter englischer Leitung stehende deutsche Militärlazarett für kranke und verwundete deutsche Kriegsgefangene folgte.

Auf wiederholte dringliche Anträge der Stadtverwaltung Aachen gab die Militärregierung die Krankenanstalten zum 16.1.1946 für die Versorgung der zivilen Bevölkerung frei. Es folgte eine Zeit des mühsamen Wiederaufbaus und der Neueinrichtung der Städtischen Krankenanstalten.

Pauwels blieb nach dem II. Weltkrieg weiterhin beratender Arzt der Städtischen Krüppelfürsorge und betreute auch die ländlichen Gemeinden im Kreis Monschau, die er mittels eines zu diesem Zwecke von den Amerikanern konfiszierten Wagens aufsuchen konnte.

1950 wurde im Stolberger Bethlehem-Krankenhaus eine weitere große orthopädische Abteilung eingerichtet, deren Leitung der ehemalige Oberarzt von Prof. Pauwels, Dr. Peter Weiß, übernahm. Hinzu kamen seit 1945 mittlerweile 45 Betten der klinischen Abteilung des Vinzenz-Heimes, die der Orthopäde, Dr. J. M. Rey, ab 1960 Dr. Ewald Fettweiß betreute sowie die 250 Betten der Rheumaklinik

1953 wurde Pauwels von der Rheinisch Westfälisch Technischen Hochschule Aachen zum Dr.-Ing. E. h. ernannt. Insbesondere seine Behandlung der Schenkelhalspseudarthrose, die grundlegenden Arbeiten über die Osteotomien sowie die Pauwels'schen Klassifikationen der Schenkelhalsfrakturen fanden bald Eingang in die orthopädische Lehre weltweit.

1960 erhielt Pauwels das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Pauwels war Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland.

Am 29.07.1960 beendete Prof. Pauwels seine Tätigkeit als Leiter der Orthopädischen Klinik in Aachen.

Als Prof. Friedrich Pauwels im hohen Alter von 94 Jahren am 19.01.1980 in Aachen verstarb, verlor die Deutsche Orthopädie einen ihrer weltweit bekanntesten Vertreter und den Vater der Orthopädischen Biomechanik. Er hinterließ ein Lebenswerk von insgesamt 57 Einzelabhandlungen und 2 Büchern, wofür er im In- und Ausland höchste Anerkennung erhalten hatte.

Die Medizinische Fakultät Aachen ist sich des berühmten Sohnes der Stadt Aachen bewußt und ließ deshalb die Straße, an der das neue Großklinikum Aachen liegt, nach "Pauwels" benennen.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie (DGOT) organisiert jährlich zur Erinnerung an den Begründer der modernen orthopädischen Biomechanik anläßlich ihres Jahreskongresses eine "Friedrich-Pauwels-Gedächtnisvorlesung", für die jeweils ein Redner ausgewählt wird, der sich in besonderer Weise um die Entwicklung des orthopädischen Fachgebietes verdient gemacht hat.

Am 01.08.1960 trat sein Nachfolger, Herr Priv.-Doz. Dr. med. Anton Hopf (geb. 7.11.1910), Schüler von Prof. Weil und Prof. Lindemann in Heidelberg seine Tätigkeit an den Städt. Krankenanstalten Aachen an.


 

 

Prof. Dr. med. A. Hopf, Leiter der Orthopädischen Klinik von 1960 bis 1977


 

Herr Priv.-Doz.Dr. med. Anton Hopf wurde 1962 zum Professor für Orthopädie ernannt, um 4 Jahre später, als Aachen 1966 eine Medizinische Fakultät bekam, den Lehrstuhl für Orthopädie in Aachen zu gründen. Am 1. Jan. 1966 waren die Städtischen Krankenanstalten in die Verwaltung der Hochschule und damit in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen übergegangen.

Am 18. Juli 1966 wurde die Medizinische Fakultät als Fakultät VII der RWTH in einer festlichen Sitzung eröffnet.

1973 wurde Prof. Anton Hopf zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie gewählt und veranstaltete als solcher im folgenden Jahr den Deutschen Orthopäden-Kongreß in Aachen.

Am 1. Dezember 1975 gründete Prof. Hopf im Bereich der Orthopädie die Lehranstalt für Krankengymnastik

1977 emeritierte Prof. Anton Hopf als Ordinarius, blieb aber für wenige Jahre weiterhin am Kreiskrankenhaus Marienhöhe in Würselen auf seinem Fachgebiet tätig.

Im Mai 1978 übernahm Prof. Dr. med. Jochen Ohnsorge (geb. 6.1.1937) den Orthopädischen Lehrstuhl der Medizinischen Fakultät und die Orthopädische Klinik in den Städt. Krankenanstalten Aachen.


 

Prof. Dr. med. J. Ohnsorge


 

Prof. Ohnsorge war Schüler von Prof. Max Lange in München, von Karl Nissen und Sir Herbert Seddon am Royal National Orthopaedic Hospital, der Orthopädischen Universitätsklinik in London, der orthopädische Mittelpunkt des Britischen Empires, und ein ständiger Treffpunkt der orthopädischen englischsprechenden Welt. Von London wechselte Prof. Ohnsorge zu Prof. Merle d'Aubignd und Prof. Tubiana für ein Jahr ans Hopital Cochin, die Orthopädische Universitätsklinik in Paris.

Die letzten 9 Jahre war er danach Oberarzt von Prof. Günther Imhäuser an der Orthopädischen Universitätsklinik in Köln.

Im Februar 1984 konnte die Orthopädische Klinik in das Großklinikum Aachen umziehen. Zur Orthopädischen Klinik im Klinikum gehören 80 Betten einschließlich einer 16-Betten-Station für Unfälle und Sportverletzungen und eine zusätzlich eingerichtete septische Station mit 14 Betten, 3 große aseptische Operationsräume, davon ein speziell eingerichteter Knie-Arthroskopie-OP sowie ein zusätzlicher septischer Operationsraum im septischen OP-Bereich, eine große Orthopädische Poliklinik mit eigenem Operationsraum und 2 grof3en Gipsräumen. Die Leitung der Physikalischen Therapie mit großem Hallenbad verblieb wie bisher bei der Orthopädischen Klinik, desgleichen die Schule für staatlich geprüfte Krankengymnastinnen mit umfangreichen eigenen Schulräumen.

Die umfangreiche klinische Tätigkeit der Orthopädie in der Knochen-, und Gelenkchirurgie, der Versorgung von Unfall- und Sportverletzungen, der Kinderorthopädie, der operativen Behandlung von Wirbelsäulenschäden, insbesondere von Bandscheibenschäden, der operativen Rheumabehandlung, sowie der konservativen und operativen Behandlung von Knochen- und Gelenkschäden führte schnell zu einer vollen Auslastung der Orthopädischen Klinik.

Nach einer plötzlichen schweren Erkrankung im November 1988 konnte Herr Prof. Ohnsorge die Orthopädische Klinik nicht weiter führen.

Von 1989 bis April 1996 führte Herr Prof. Dr. med. R. Forst die Klinik als Kommissarius.

Seit dem 1. April 1996 ist Herr Univ.-Prof. Dr. med. F. U. Niethard der Direktor der Orthopädischen Klinik.

 

 

[Home] [Allgemeine Informationen] [Anfahrt] [Sprechstunden] [Kontakt] [Aktuelles] [Linksammlung] [Virtueller Rundgang] [Bildergalerie] [Gästebuch] [Historie] [Mitarbeiter] [Kinderorthopädie] [Wirbelsäule] [Gelenkchirurgie] [Fußchirurgie] [Osteologie] [Studenten] [Häufig gestellte Fragen] [Veranstaltungsarchiv] [Impressum] [orthoMIT] [Uniklinikum Aachen] [Ehemalige]