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Hüftdysplasie und -luxation
Ein Elterninformationsblatt der Orthopädischen Universitätsklinik der RWTH Aachen
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. F. U. Niethard
Liebe Eltern,
bei Ihrem Kind wurde von den behandelnden Ärzten die Diagnose "Hüftdysplasie" gestellt. Dieser Informationsbogen soll Ihnen Kenntnisse über das Krankheitsbild, seine Ursachen, Therapie und Prognose vermitteln.
Das Hüftgelenk ist eines der wichtigsten Gelenke des Menschen. Normalerweise ist dieses Gelenk als Kugelgelenk konzipiert, d.h. es besteht aus einem runden Kopf und einer schüsselförmigen Pfanne. Die beiden Gelenkanteile sind sowohl bezüglich der Form als auch der Größe aneinander angepaßt. Fehlanlagen des Gelenkes (Hüftdysplasie)und Fehlwachstum nach Verletzungen, Entzündungen u.ä. können zu einer Fehlbelastung in bestimmten Gelenkarealen führen (Abb. 1). Eine daraus resultierende Überlastung kann im weiteren Verlauf zu weiteren Wachstumsstörungen und letztendlich zum vorzeitigen Verschleiß (Arthrose) mit zum Teil erheblichen Funktionseinbußen führen.
Abb.1: Formfehler eines Hüftgelenkes (Hüftdysplasie) als Ursache von Verschleißprozessen. Bei kleiner Hüftpfanne ist der Knorpel einer erhöhten regionalen Druckkraft ausgesetzt.
Ein bestehender Formfehler kann mit gezielten operativen Verfahren angegangen werden.
Ziel dieser Operationen ist es, die Belastungsverhältnisse zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne so gut dies möglich ist zu verbessern. Das ist meist nur durch eine Operation am Knochen möglich.
Die bessere Einstellung des Hüftkopfes in die Pfanne kann zum Beispiel durch eine Keilentnahme in der Rollhügelregion erreicht werden. Dabei dreht sich der Hüftkopf in die Hüftpfanne (Varisierungsosteotomie), sodaß eine bessere Belastungsfähigkeit des Gelenkes resultiert. Vorbestehende Drehfehlstellungen des Hüftgelenkes können im Rahmen dieser Operation mitkorrigiert werden (Derotationsosteotomie).Um den durchtrennten Knochen zu stabilisieren wird eine Winkelplatte eingesetzt, die mit Schrauben verankert wird (Abb.2).
Abb.2: Varisierungsosteotomie: Durch Entfernung eines Keiles kann der Hüftkopf besser in die Hüftpfanne eingestellt werden. Die Fixation erfolgt mit einer Winkelplatte und Schrauben.
Bei höhergradigen Formfehlern der Hüftpfanne muß dieser Eingriff unter Umständen mit einer "pfannenvergrößernden" Operation verknüpft werden. Dabei wird der Beckenknochen oberhalb des Pfannenrandes durchtrennt und über den Hüftkopf nach seitlich/vorne gezogen. In den entstehenden Spalt am Beckenknochen wird als Platzhalter ein Knochenkeil, der meist aus dem Oberschenkel (Varisierungsosteotomie)entnommen wird, eingepflanzt. Der Keil wird danach mit Drahtstiften fixiert(Salterbeckenosteotomie).
Abb.3: Salterbeckenosteotomie
a: Höhe der Beckendurchtrennung und Schwenkrichtung;
b: Keileinbringung und Drahtfixierung in korrigierter Position
Im Anschluß an die Operation wird das Hüftgelenk in einem Becken-Bein-Fuß-Gips ruhiggestellt. Die Dauer der Gipsbehandlung beträgt üblicherweise 6 Wochen. Im Anschluß daran wird der Gips geschalt und die Gelenke krankengymnastisch beübt.
Sobald der durchtrennte Knochen fest zusammengeheilt ist kann das Metall (Platte, Schrauben, Drähte) wieder entfernt werden. Dazu ist erneut eine Operation notwendig.
Mit diesen Eingriffen sind die üblichen Operationsrisiken verbunden. Diese sind Gefäß- und Nervenverletzungen im betroffenen Becken-Beinbereich, Infektionen, Blutungen, Wundheilungsstörungen, Embolien und Thrombosen. Durch die Knochenkeilentnahme kann sich eine Beinverkürzung einstellen, die durch eine Schuherhöhung ausgeglichen wird.
Verfasser: Dr. U. Schneider
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