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Hüfterkrankungen

Hüftgelenkserkrankungen

  

Ein Patienteninformationsblatt der
Orthopädischen Universitätsklinik
der RWTH Aachen

Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. F. U. Niethard


Liebe Patientin, lieber Patient,

es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen im Bereich des Hüftgelenkes, die sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Wir möchten Ihnen in diesem Informationsbogen einen kurzen Überblick über die möglichen Ursachen der häufigsten Hüfterkrankungen sowie den mit diesen Hüfterkrankungen verbundenen klinischen Symptomen geben. Die nachfolgend beschriebenen Erkrankungen des Hüftgelenkes können jedoch individuell variieren, so daß bei ein und derselben Hüfterkrankung durchaus unterschiedliche Krankheitsverläufe zu beobachten sind. Dieser Informationsbogen ist keinesfalls als Ersatz für das Patientengespräch gedacht, sondern soll vielmehr eine Orientierungshilfe für Sie sein.

Das häufigste klinische Symptom bei allen Hüfterkrankungen ist der Schmerz. Dieser kann in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Ursache zunächst nur nach längerer Belastung auftreten, im weiteren Krankheitsverlauf sich dann jedoch bereits nach leichter körperlicher Belastung oder sogar in Ruhe bemerkbar machen. Bei der Anamneseerhebung ist es daher für uns sehr wichtig, von Ihnen Angaben über den erstmaligen Beginn der Schmerzsymptomatik zu erhalten sowie darüber, ab der Schmerz nur unter Belastung oder auch bereits in Ruhe auftritt. Ebenso dienen uns Hinweise, ob ein Gehstock benutzt wird, Schmerzmedikamente eingenommen werden und ob nächtliche Schmerzen vorliegen der besseren Beurteilung des Krankheitsgeschehens. Neben diesen, direkt das Hüftgelenk betreffenden Angaben sind für uns Informationen darüber, ab begleitende andere Erkrankungen vorliegen, wichtig. Insbesondere ob eine Tumorerkrankung oder eine Erkrankung des rheumatischen Formenkreises vorliegt bedeutet eine wichtige Zusatzinformation. Vorausgegangene Operationen oder Verletzungen im Bereich des Hüftgelenkes - auch wenn diese schon lange zurückliegen - sind zur Beurteilung des aktuell vorliegenden Krankheitsgeschehens von großer Bedeutung.

Die häufigste Erkrankung des Hüftgelenkes ist die sogenannte Coxarthrose, d.h. der durch Degeneration entstandene Verschleiß des Hüftgelenkes. Ab ca. dem 25. Lebensjahr kommt es aufgrund des abnehmenden Wassergehaltes der knorpligen Gelenkflächen und einem damit einhergehenden Elastizitätsverlustes zu einer - im Laufe des Lebens kontinuierlich weiter fortschreitenden - Degeneration der Gelenkflächen. Dies kann individuell sehr unterschiedlich verlaufen, wobei naturgemäß die Gelenke der unteren Extremität, die einer hohen Belastung ausgesetzt sind eher verschleißen als die der oberen Extremität. Bei einem Großteil der Patienten mit einer Coxarthrose sind daher keine genauen Ursachen für die Entstehung des Gelenkverschleißes auszumachen. Normalerweise ist sowohl der Hüftkopf als auch die Gelenkpfanne mit einer breiten Knorpelschicht überzogen, die den reibungslosen Bewegungsablauf im Hüftgelenk gewährleistet. Wird dieser Knorpel nun abgerieben, kann es zum einen zu einer begleitenden Entzündung der - das Hüftgelenk umgebenden - Hüftgelenkskapsel bzw. der Gelenkschleimhaut kommen, zum anderen entstehen Riefen im Hüftkopf und Hüftpfannenlager, die die freie Beweglichkeit des Gelenkes zunehmend einschränken.


Abb 1: Arthrose des Hüftgelenkes

In der Folge kann der ehemals vorhandene Hüftgelenksspalt vollständig aufgehoben werden, so daß Knochen auf Knochen reibt, was zum einen sehr schmerzhaft ist und zum anderen zu einer weitergehenden Bewegungseinschränkung führt. Die das Hüftgelenk umgebende Muskulatur sowie die bindegewebigen Strukturen verkürzen sich in der Folge und verstärken dadurch die schmerzhafte Bewegungseinschränkung.

Neben dem "normalen Hüftgelenksverschleiß" ohne erkennbaren Auslöser für die Hüfterkrankung gibt es einige Prädispositionen, die zu einem frühzeitigen Hüftgelenksverschleiß führen können. In erster Linie ist hier die sogenannte "Hüftdysplasie" zu nennen, bei der es durch eine Minderanlage der Hüftpfanne im Säuglingsalter zu einem Abgleiten des Hüftkopfes kommt.


Abb 2: Fehlbelastung des Hüftgelenkes bei der Hüftdysplasie

Dadurch wird der Hüftkopf, welcher sich nicht mehr im normalen Hüftpfannenbereich befindet, nicht mehr gleichmäßig belastet und es kommt zu einem frühzeitigen Abrieb des Knorpelbelages auf dem Hüftkopf (etwa vergleichbar mit einem Auto, bei dem die Spur nicht richtig eingestellt ist). Um eine solche Hüftdysplasie möglichst zu vermeiden, wird heute eine routinemäßige Ultraschalluntersuchung im frühen Säuglingsalter durchgeführt und Kinder mit einer entsprechender Disposition mit einer Spreizhose oder einer Bandage behandelt. Eine weitere Ursache für die Fehlbelastung des Hüftkopfes im Hüftgelenk kann eine Fehlstellung der Achse des Schenkelhalses im Verhältnis zum Oberschenkelknochen sein, der normalerweise bei 126º liegt. Ist dieser Schenkelhalswinkel zu klein oder zu groß, kommt es zu einer ungleichmäßigen Belastung des Hüftkopfes, was wiederum zu einem verstärkten Abrieb und nachfolgend zur Coxarthrose führen kann. Insbesondere bei jüngeren Patienten (unter 60 Jahre) kann bei einer solchen Schenkelhalsfehlstellung eine sogenannte Umstellungsoperation durchgeführt werden, bei der durch Entnahme eines knöchernen Keiles der Schenkelhals besser in das Hüftgelenk zentriert wird und damit eine gleichmäßigere Belastung und ein geringerer Abrieb gewährleistet wird.


Abb 3: Umstellungsoperation

Da es im Laufe des Lebens bei uns allen zu einer zunehmenden Abkippung des Schenkelhalses kommt und durch Alterungsprozesse die Knochenstruktur, insbesondere durch Kalziumverlust aufgelockert wird, besteht bei einem älteren Menschen eine erhöhte Gefahr sich einen Schenkelhalsbruch zuzuziehen. Dies kann bei älteren Patienten bereits durch kleinere Stürze oder Prellungen geschehen. In der Regel führt ein solcher Schenkelhalsbruch zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung sowie zu einer leichten Außenrotation des Beines. Sofern die Bruchenden nicht stabil aufeinanderstehen,muß in der Regel eine osteosynthetische Versorgung oder in Abhängigkeit vom Alter eine endoprothetische Versorgung durchgeführt werden. Ein weiteres recht häufiges Krankheitsbild im Bereich des Hüftgelenkes ist die sogenannte Hüftkopfnekrose. Darunter versteht man ein partielles Absterben der knöchernen Struktur des Hüftkopfes, wobei es je nach Ausmaß sogar zu einem Einbrechen der Hüftkopfkontur kommen kann. d.h. also zur Zerstörung der Gelenkfläche.

In einer Vielzahl der Fälle sind die genauen Ursachen für die Entstehung einer solchen Hüftkopfnekrose nicht bekannt. Faktoren, die zu einer Hüftkopfnekrose führen können, sind jedoch z.B. die längerfristige Einnahme von Cortison-Präparaten sowie übermäßiger Alkoholgenuß. Neben den normalen Röntgenaufnahmen sind zur Erkennung und genaueren Beurteilung einer Hüftkopfnekrose Kernspintomographie-Aufnahmen erforderlich, da in Abhängigkeit vom Ausmaß der Hüftkopfnekrose unterschiedliche operative Verfahren zur Anwendung kommen. Sollte der Hüftkopf bereits eingebrochen sein, besteht nur in der Regel nur noch die Möglichkeit eines totalendoprothetischen Hüftgelenksersatzes.

Eine allgemeine schmerzhafte Verspannung der hüftumfassenden Muskulatur tritt insbesondere bei Diabetikern gehäuft auf. Hierbei kommt es zu diffusen und belastungsabhängigen Schmerzen im Bereich der hüftumgreifenden Muskulatur, häufig mit einer Entzündung des Schleimbeutels am großen Rollhügel einhergehend. Zwischen dieser sogenannten "Periarthrosiscoxae" und einer echten Coxarthrose zu unterscheide, muß eine genaue klinische Untersuchung sowie eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden. Eine weitere wichtige Differentialdiagnose, die jedoch zum Glück relativ selten auftritt, ist die Entzündung des Hüftgelenkes mit Eiterbakterien. Eine solche Entzündung geht mit stärksten Schmerzen im Hüftgelenk sowie häufig auch mit Fieber und allgemeinen Kranheitssymptomen einher. Wesentlich häufiger als eine solche bakterielle Entzündung ist jedoch ein akuter Schub bei einem degenerativen Verschleiß des Hüftgelenkes oder wie wir Mediziner es nennen eine "aktivierte Arthrose". Um dies zu unterscheiden, müssen laborchemische, röntgenologische und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden, gelegentlich auch kernspintomographische Untersuchungen. Um eine exakte Differenzierung der Ursachen der bei Ihnen vorliegenden Beschwerdesymptomatik vornehmen zu können, ist es zum Teil notwendig, auch die Lendenwirbelsäule und das Kniegelenk mit in die bildgebende Diagnostik und natürlich in die klinische Untersuchung mit einzubeziehen. Zur optimalen Vorbereitung auf einen operativen Eingriff am Hüftgelenk sind in der Regel Maßstabsaufnahmen des Hüftgelenkes sowie Aufnahmen in verschiedenen Ebenen notwendig.

Wir hoffen Ihnen mit diesem Informationsbogen eine gewisse Übersicht über die häufigsten Hüftgelenkserkrankungen gegeben zu haben, wobei es natürlich eine Vielzahl spezieller Hüftgelenkserkrankungen gibt, die wir jedoch in diesem Rahmen nicht alle aufführen können. Für diesbezügliche Fragen und weitergehende Informationen steht Ihnen ihr betreuender Arzt gerne zur Verfügung.

Ihr Ärzteteam der Orthopädischen Klinik

 

Verfasser:
Dr. med. A. Brandenburg

 

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