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künstl. Hüftgelenke

Das künstliche Hüftgelenk

Ein Patienteninformationsblatt der
Orthopädischen Universitätsklinik
der RWTH Aachen

Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. F. U. Niethard

 

Liebe Patientin, lieber Patient!

Das Hüftgelenk ist das größte und am stärksten belastete Gelenk des Menschen. Es ermöglicht die Bewegung zwischen Bein und Rumpf.
Die Hüfte wird von einem Kugelgelenk gebildet. Dabei bildet das obere Ende des Oberschenkelknochens mit seinem Kopf (Hüftkopf) die Kugel, die sich in der sog. Hüftpfanne, die vom Becken gebildet wird, dreht. Beide knöchernen Strukturen sind von Knorpel überzogen, der durch eine speziell gebildete Gelenkflüssigkeit besonders gleitfähig wird. Um dieses eigentliche Gelenk herum liegt eine sog. Kapsel, die es komplett umschließt. Sie wird von kräftigen Bändern verstärkt. Noch darum befinden sich viele Muskeln, die zusammen mit der Kapsel und den Bändern das Hüftgelenk in seiner Position halten. 

Was ist die Hüftgelenksarthrose?
Unter der Hüftgelenksarthrose, in der Fachsprache auch Koxarthrose genannt, versteht man den Verschleiß des Hüftgelenks. Zunächst ist der Knorpel betroffen, später werden auch die knöchernen Strukturen angegriffen. Dies ist ein natürlicher Prozeß, den jeder Mensch erfährt. Da jedoch die Geschwindigkeit, mit der dieser Verschleiß voranschreitet, bei jedem sehr unterschiedlich ist, kann man sagen, daß nicht alle die Auswirkungen auch spüren. Die Schmerzen, die man bei einem solchen Gelenkverschleiß verspürt, sind je der Ausprägung der Arthrose unterschiedlich. Es beginnt normalerweise mit sog. belastungsabhängigen Schmerzen, d.h., je mehr man das Gelenk beansprucht, desto größer sind die Schmerzen. Später wird dann jede Bewegung schmerzhaft, auch wenn sie nicht mit echter Belastung verknüpft ist, so z.B. wenn ein Arzt das Hüftgelenk zur Untersuchung bewegt. Im letzten Stadium der Erkrankung besteht in der Regel ein sog. Ruheschmerz, d.h. daß das Gelenk auch ohne Belastung oder Bewegung bereits Schmerzen verursacht.
Es gibt zwei große Gruppen von Ursachen eines Hüftgelenksverschleißes. Zunächst gibt es viele Arthrosen, bei denen man eine echte Ursache nicht finden kann. Diese Arthrosen nennt man dann „primär“ oder auch „idiopathisch“. Hier treten Schmerzen in der Regel nach dem 50.-60. Lebensjahr auf und betreffen überwiegend beide Hüften. Bei der anderen großen Gruppe kennt man die Ursache. Schmerzen treten meist früher auf  und oft ist nur eine Hüfte betroffen. Diese Form nennt man dann „sekundäre Koxarthrose“. Ursachen sind dann besondere Überlastungen, die aufgrund von Veränderungen in der Form eines Hüftgelenks zu finden sind. Als Beispiele lassen sich die angeborene Hüftdysplasie, der Morbus Perthes, eine Epiphysenlösung des Hüftkopfes oder eine Hüftkopfnekrose aufzählen. Andere Ursachen der sekundären Arthrose sind Verletzungen wie z.B. Knochenbrüche, entzündliche Gelenkprozesse, Stoffwechselstörungen wie z.B. Gicht oder seltener hormonelle Erkrankungen.

Wann wird ein künstliches Hüftgelenk notwendig?
Bei beginnenden Beschwerden im Bereich einer Hüfte kann in vielen Fällen noch mit nicht operativen (konservativen) Maßnahmen geholfen werden. Dies hängt aber wiederum von der Entstehungsursache ab. Insbesondere bei den oben beschriebenen primären Arthrosen ist eine konservative Therapie  ausreichend und wirksam. Hierzu gehört eventuell eine Gewichtsreduktion, weil Übergewicht eine erhebliche zusätzliche Belastung für das Gelenk bedeutet. Desweiteren kann die Gehbelastung durch einen Gehstock oder durch sog. Pufferabsätze in den Schuhen reduziert werden. Auch die Einnahme antientzündlicher und schmerzunterdrückender Tabletten kann hilfreich sein. In manchen Fällen kann man auch entzündungshemmende Medikamente direkt in das Hüftgelenk spritzen. Eine sehr große Bedeuteung für die Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit hat die krankengymnastische Therapie.
Erst wenn solche Maßnahmen keinen Erfolg mehr haben oder wenn eine nur bei bestimmten Ursachen mögliche gelenkserhaltende Operation nicht sinnvoll ist, kommt der Einbau eines künstlichen Hüftgelenks in Frage.

Was ist ein künstliches Hüftgelenk?
Das künstliche Hüftgelenk ersetzt die zerstörten Anteile des Knorpels und des Knochens sowohl am Oberschenkelknochen als auch im Bereich des gelenkbildenden Beckens. Hierzu werden in einem hochsterilen Operationssaal in einer Voll- oder Teilnarkose nach einem Hautschnitt im Bereich des äußeren Oberschenkels die verschlissenen Knorpel und Knochenanteile entfernt. Der Kopf  des Oberschenkelknochens wird dabei vollständig weggenommen, um dem neuen künstlichen Kopf Platz zu schaffen. Dann wird eine Schale aus Metall oder medizinischem Kunststoff an die Stelle des Beckens gelegt, an der sich vorher der zerstörte Knorpel befand. Diese Schale oder auch Pfanne genannt wird entweder mit Schrauben oder einem Knochenzement (ähnlich wie ein Kunststoffkleber) im Beckenknochen verankert und befestigt. Jetzt wird im Oberschenkelknochen ein länglicher Hohlraum geschaffen, in den der sog. Schaft der Hüftprothese eingesteckt werden kann. Dies ist für die Stabilität der neuen Hüfte unbedingt notwendig. Dieser Schaft ist meistens aus Metall und wird entweder wiederum mit Knochenzement in den Oberschenkelknochen „hineingeklebt“ oder nur durch den Knochen selber stabilisiert.
Die beschriebenen Techniken der Verankerung mit oder ohne Knochenzement haben jeweils Vor- aber auch Nachteile. Der Hauptvorteil des zementierten Vorgehens ist, daß man nach der Operation die Beine direkt wieder mit vollem Körpergewicht belasten darf und somit völlig normal laufen kann. Insbesondere bei Störungen des Knochenaufbaus wie z.B. bei Osteoporose oder einer sog. Hüftkopfnekrose ist diese Technik sinnvoll. Der Hauptnachteil ist, daß, wenn die Prothese einmal locker wird, eine Wechseloperation des künstlichen Gelenks schwieriger ist. 
Bei dem zementfreien Einsatz muß nach der Operation das betreffende Bein für ca. 6 Wochen mittels Unterarmgehstützen entlastet werden, da erst neuer Knochen sozusagen in die Prothese hineinwachsen muß. Erst nach dieser Schonzeit ist die künstliche Hüfte fest verankert und darf voll belastet werden. Der Vorteil ist, daß eine mögliche Wechseloperation leichter ist und öfter durchgeführt werden kann. Daher ist diese Methode besonders bei jüngeren Patienten sinnvoll.


Prognose nach dem Einbau eines künstlichen Hüftgelenks
Die problemlose Nutzungsdauer eines künstlichen Hüftgelenks beträgt durchschnittlich 10-15 Jahre. Dies gilt unabhängig von der Verwendung von Knochenzement, da der Körper ständig Knochen ab- und anbaut. Bei einer Prothesenlockerung bekommt der Patient bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen, aber auch Ruheschmerzen. Bei einer Lockerung sollte sobald wie möglich ein Prothesenwechsel mit erneuter Verankerung durchgeführt werden, da sonst ein zunehmender Verlust von Knochensubstanz eintritt. Obwohl mit einem künstlichen Gelenk eine schmerzfreie und weitgehend normale Funktion erreicht werden kann, sollten Extrembelastungen sowie Ruck- und Stoßbelastungen vermieden werden. Dadurch verlängert sich die Lebensdauer der Prothese. Eine gewisse Aktivität im Bereich der Hüfte ist jedoch insbesondere für die Beweglichkeit notwendig. Gut geeignet sind Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Wandern oder leichte Gymnastik. Bedingt geeignet sind Skilanglauf oder Dauerlauf (Jogging). Wegen zu starker Beanspruchung und damit der Gefahr einer frühzeitiger Lockerung des künstlichen Hüftgelenks sollten z.B. alpiner Skilauf, Sprungdisziplinen oder Ballsportarten vermieden werden.


     
 

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