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Racz-Kathetertechnik

Racz-Kathetertechnik

 

Ein Patienteninformationsblatt der
Orthopädischen Universitätsklinik
der RWTH Aachen

Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. F. U. Niethard

 

Liebe Patientin, lieber Patient!  

Die Racz-Kathetertechnik ist eine minimal invasive epidurale Wirbelsäulen- Kathetertechnik nach Professor RACZ.

Die epidurale Wirbelsäulen-Kathetertechnik (EWK) ist ein minimal invasives Operationsverfahren, welches von Professor Gabor RACZ (USA) entwickelt wurde.

 

Sie beinhaltet eine zielgenaue Platzierung eines steuerbaren Epiduralkatheters mittels Bildwandler-Technik und Epidurographie (Röntgen-Kontrastmitteldarstellung des rückenmarksnahen Raumes).

 

Der wesentliche Unterschied dieser Behandlungsmethode zu anderen Schmerzbehandlungen mit Kathetern liegt in der speziell entwickelten Technik dieses elastischen Katheters, der mit einer kleinen Sonde ausgestattet ist. Eine exakte Behandlung der betroffenen Nervenwurzel wird somit ermöglicht.

 

Unter örtlicher Betäubung wird eine Spezialkanüle in den Epiduralraum der Wirbelsäule eingeführt (bei Lendenwirbelsäulenbeschwerden im Steißbeinbereich; bei Halswirbelsäulenbeschwerden im oberen Bereich der Brustwirbelsäule). Die speziell entwickelte Sonde wird unter Bildwandlerkontrolle und Kontrastmittelgabe zielgenau im rückenmarksnahen Bereich der Wirbelsäule platziert.

 

Grundprinzip ist die Abschwellung und Entwässerung des störenden Gewebes, wodurch die Nervenwurzel entlastet wird. Oft wird eine mechanische Lösung (Adhäsiolyse) der betroffenen Nervenwurzel kombiniert. Durch die zielgenaue Injektion verschiedener Medikamente (schmerz- und entzündungshemmende Mittel, konzentrierte Kochsalzlösung) wird über die osmotische Wirkung eine Schrumpfung des Gewebes, das den Nerv bedrängt, erreicht. Entzündungen bilden sich zurück. Der Schmerz kann zielgenau bekämpft werden.

 

Eine zusätzliche Einspritzung einer speziellen Enzymlösung löst vor allem bei sogenanntem Post-Nukleotomie-Syndrom (Voroperationen des Bandscheibengewebes) rückenmarksnahe Vernarbungen und Verklebungen.

 

Der gesamte Eingriff dauert ca. 30 – 40 Minuten. Ein bis zwei Stunden nach der Behandlung kann der Patient aufstehen und umhergehen. Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel 3 bis 4 Tage. In dieser Zeit erhält der Patient über den Katheter 4 weitere Injektionen mit Schmerzmitteln, Kochsalzlösung und Enzymen.

 

 

Indikationen:

 

Akute starke Schmerzen durch Bandscheibenvorwölbung oder –vorfall

 

Chronisch starke Schmerzen und Nervenwurzelreizungen

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Post-Nukleotomie-Syndrom (Schmerzen nach Bandscheiben-Operation)

 

Postoperative epidurale Narbengewebebildungen und Fibrosen (Narbenbeschwerden nach Operationen)

 

Wurzelirritationen/Wurzelreizsyndrome durch mechanische Irritationen.

 

 

Stellenwert:

 

Beim Großteil der Wirbelsäulenpatienten mit Bandscheibenvorfall und –vorwölbung kann durch diese Behandlungsmethode eine offene Operation vermieden werden. Ungeachtet dessen sollte dieses Verfahren erst nach Ausschöpfung der üblichen konservativen Therapiemaßnahmen eingesetzt werden:

 

Krankengymnastische rumpfstabilisierende Übungsbehandlung

 

Physikalische Therapiemaßnahmen (absteigende Stangerbäder, Nemektrodyden, Fango/Massagen)

 

Antiphlogistische und analgetische Medikation

 

Tilscher-Infusionen.

 

Sollte das konservative Therapieregime nach einem Zeitraum von 3 – max. 4 Monaten keine wesentliche Veränderung des Beschwerdebildes ergeben, ergibt sich ggf. die Indikation zur epiduralen Wirbelsäulen-Kathetertechnik nach RACZ.

 

Die mit dem Eingriff verbundenen Risiken entsprechen einer regulären Anlage eines Epiduralkatheters (Infektion, Verletzung von Nerven, Gefäßen und angrenzenden Strukturen). In manchen Fällen wird die konzentrierte Kochsalzlösung von den Patienten im vorgegebenen Konzentrationsverhältnis nicht toleriert. Durch höhere Verdünnungen ist jedoch in der Regel eine Tolerabilität gegeben.

 

Patienten mit chronischen Rückenschmerzen nach Bandscheiben-Operation oder Versteifungs-Operation der Lendenwirbelsäule mit postoperativen Vernarbungen dürfen durch diese Behandlungsmethode auf eine wesentliche Beschwerdelinderung bis völlige Beschwerdebesserung hoffen.

 

 

Vorteil:

 

Durchführung des Eingriffs in Lokalanästhesie. Eine Vollnarkose ist nicht erforderlich. Der Eingriff wird im Operationssaal unter anästhesiologischer Überwachung durchgeführt.

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Der speziell entwickelte Katheter ist an seinem Ende mit einer Edelstahlspiralfeder versehen, wodurch ein schonendes, verletzungsfreies Platzieren möglich ist. Gegenüber einem herkömmlichen operativen Eingriff schrumpft dabei lediglich das Gewebe der Bandscheibe, wird jedoch nicht verletzt. Die stationäre Behandlungsdauer beträgt 3 – 4 Tage. Leichte körperliche Belastung wie zum Beispiel Schreibtischarbeiten können nach der Entlassung aus der stationären Behandlung bereits wieder durchgeführt werden.

 

 

Nachbehandlung:

 

Eine abgestimmte Physiotherapie sollte zwei Wochen nach dem Eingriff beginnen. Hierbei wird besonders auf den symmetrischen Muskelaufbau sowie Haltungs- und Bewegungstraining geachtet. Nach weiteren vier Wochen kann das gewohnte Sport- oder Fitness-Programm allmählich aufgenommen werden.

 

 

Arbeitsfähigkeit:

 

Leichte körperliche Arbeiten wie zum Beispiel Bürotätigkeiten können nach ein- bis zwei Wochen wieder aufgenommen werden. Körperlich anstrengende Arbeiten sollten in den ersten vier Wochen eingeschränkt, und können dann langsam gesteigert werden.

 

 

Sportaktivitäten:

 

Schwimmen und Radfahren (möglichst aufrechte Oberkörperhaltung) sind nach drei Wochen erlaubt. Joggen auf weichem Boden nach vier Wochen. Alle anderen Sportarten können je nach Belastungsintensität ab der fünften Woche langsam steigernd aufgenommen werden. Auf ausgeprägte Torquierungsbewegungen der Wirbelsäule, wie zum Beispiel Golf und Tennis, sollte die ersten drei Monate nach der epiduralen Kathetermethode nach RACZ verzichtet werden.

 

 

Ergebnisse:

 

In der internationalen Literatur wird eine Erfolgsquote von über 85 % bei einem Nachuntersuchungsintervall von einem Jahr angegeben.

 

 

Terminabsprache:

 

Bei gewünschter Terminabsprache bitten wir um Vereinbarung eines Termines im Rahmen unserer Wirbelsäulensprechstunde (Telefon 0241/8089-589).

 

Sprechzeiten:  Mittwochs 8.00 – 13.00 h, freitags     8.00 – 13.00 h.

 

 

Dr. med. Klaus Birnbaum

 

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